Goldmeister: Deutschlands Golddukate im Hop-Jazz

        Goldmeister Interview    

Das erste Album steht vor der Tür

Die besten Ideen kommen, wie so oft, genau dann, wenn man nicht damit rechnet. So auch bei Phil Ohleyer und Chris Dunker, den Sängern von Goldmeister. Bei einem Bierchen in einer Kneipe entstand aus einer kleinen Idee eine neue Musikrichtung namens Hop-Jazz. Erfahrung im Musikbusiness haben die beiden bereits in jungen Jahren mit ihren damaligen Bands sammeln können. Als Goldmeister haben sie ihr Können weiterentwickelt und letztendlich perfektioniert. Sie schnappen sich die deutschen Top-Hip-Hop-Tracks und anstatt die Strophen zu rappen, werden diese gesungen. Eine außerordentlich edle Art von Musik ist somit entstanden, welche zielgruppenübergreifend jeden begeistern kann. Wir haben uns mit Phil und Chris getroffen und wollten genau wissen, wie es dazu kam und wohin die Reise noch geht.

Ajouré: Wie habt ihr euch denn kennengelernt? Verbindet euch eine jahrelange Freundschaft oder kam es durch die Liebe zur Musik?

Das kam durch einen ehemaligen Bangkollegen und somit eigentlich durch die Musik. Wir haben ja bereits vor Goldmeister eine Band namens „Phoenix West“ gehabt und dort haben wir auch zusammen gespielt und uns dadurch dann kennengelernt. Das muss 2014 gewesen sein.

Ajouré: Woher kommt eure Liebe zum Jazz?

(Chris) Wir stehen zum einen einfach schon mal total auf Frank Sinatra und beim Ausarbeiten der Bühnenprogramme im Galabereich habe ich ganz viel Swing und Jazz mit reingenommen, da das genau das ist, was bei Las Vegas Kasinos Nights zieht. Wir hören es gerne und finden, dass Jazz einfach eine niveauvolle Unterhaltung ist.

(Phil) Bei mir ist es so, dass ich durch meine Eltern schon sehr viel mitbekommen habe und hier auch Sinatra eine große Rolle spielte. Ich wollte zudem immer Sänger werden, weil ich Sinatra geliebt habe und dies bereits als kleiner Junge. Und meine Affinität zur Musik kam eben auch dadurch, da mein Vater zwar kein Musiker war, mich aber auf sehr viele Konzerte mitgenommen hat.

Ajouré: Ihr habt ja etwas ins Leben gerufen, was es so eigentlich noch nicht wirklich gab. Eure Musikrichtung nennt ihr selbst Hop-Jazz, was einen Mix aus Jazz und Hip-Hop beschreibt. Wie kam es dazu?

Wir haben immer gesagt, dass wir zusammen Swing machen wollen und jetzt ist es halt Jazz geworden. Aber wir wollten etwas machen, was neu ist und Swing gibt’s ja nun schon ewig. Und so sind wir dann beim Hop-Jazz gelandet. Wir haben zwar anfangs auch auf einige Pop-Stücke versucht, diesen Flow da reinzubringen, aber es klang eben nur richtig gut bei Hip-Hop.

Ajouré: Wenn man heute in einen Club geht, läuft dort in der Regel entweder Elektro, House oder Hip-Hop. Ist es ein Ziel von euch, mit euren Liedern ebenfalls zum Clubleben beizutragen, oder ist das eher etwas, wovon ihr behaupten würdet, dass das nicht wirklich zu euch passt?

(Phil) Ich kann mir das auch nur schwer vorstellen, denn ich bin durchaus oft in Clubs. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen.

(Chris) Wir haben ja von „Sie ist weg“ einen kleinen Remix, der geht schon auch im Club, finde ich. Es kommt natürlich auch immer etwas auf die Location an. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass wir ungern eine genaue Zielgruppe definieren möchten, denn wir finden, dass es sich hier um Musik handelt, die jedem Alter gefallen kann.

Ajouré: Auf eurem Album „Alles Gold“, welches am 18.05.2018 auf den Markt kommt, habt ihr ja einen Hochkaräter nach dem anderen gecovert. Angefangen mit eurer ersten Single „Sie ist weg“ von den Fantas. Wieso gerade dieser Track?

Das muss einfach mit drauf und für uns gehört dieser Song einfach zu jeder guten Party dazu, denn das ist schon irgendwie chillig. Was ich besonders toll an diesem Song finde, ist eben die Dialogform. Dass wir hier miteinander sprechen können.

Ajouré: Neben den Fantas sind auch unter anderem auch Culcha Candela, Seeed, Naidoo und Marteria von euch veredelt worden. Habt ihr zu all diesen Songs einen besonderen Bezug oder habt ihr die ausgesucht, weil es sich um deutsche Megahits handelt?

Das sind alles Tracks, die wir persönlich gut finden. Und da wir Kinder der 90er sind, passt das auch zeitlich tatsächlich sehr gut zu uns. „Sie ist weg“ ist drauf, weil wir den als erstes vertont haben, in der Art, wie wir sie gerade machen.

Ajouré: Ihr musstet ja alle Urheber der Songs einzeln anschreiben und fragen, ob es in Ordnung geht, dass ihr deren Songs ein wenig ummodelt.

Ja in der Tat, wir haben uns bei sämtlichen Urhebern gemeldet und gefragt: Ja oder nein? Bei vielen war das auch überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, die fanden die neue Version sogar cool. Eine gute Story ist dann aber mit Udo Lindenberg passiert, der sein OK nur unter Vorbehalt gegeben hat. Er wollte zu allererst einmal die Tracklist sehen, um zu gucken, was so aufs Album drauf soll. Er war dann allerdings auch direkt recht zufrieden und war gab sein OK. Das Schwierige ist natürlich die Tatsache, dass du bereits vor dem Kontaktieren des Urhebers eine neue Version haben musst, die du ihm vorspielen kannst. Und zu dem Zeitpunkt weißt du ja noch nicht, ob sich die ganze Mühe lohnt, alle Songs mit der Band aufzunehmen. Aber einen Urheber zu kontaktieren und zu sagen „unser Song klingt danach besser“ machte leider noch weniger Sinn. Also haben wir alle Lieder eingespielt und dann jeden kontaktiert. Und das hat sehr gut funktioniert.

Goldmeister Interview

Ajouré: Wie lange habt ihr für das Album gebraucht? Von der Idee bis zum Release?

Gut eineinhalb Jahre würden wir sagen. Es war schon eine lange und harte Zeit, die auf der anderen Seite aber sehr viel Spaß gemacht hat.

Ajouré: Goldmeister ist ja nicht eure erste Band. Ihr hattet oder genau genommen habt ja noch eine zweite namens „Phoenix West“, die ebenfalls ein Album „Auf Sand gebaut“ seit 2016 auf dem Markt hat. Dort seid ihr zu viert, jetzt nur noch zu zweit mit einer Bigband. Was sagen denn eure Bandmitglieder, dass ihr seit neuestem als Duo unterwegs seid?

Die finden das supergeil. Phoenix West ist quasi auf Eis gelegt, da es aus privaten Gründen momentan für ein Bandmitglied nicht so einfach ist. Aber wir stehen nach wie vor mit denen in Kontakt und sie wünschen uns nur das Beste und freuen sich sehr für uns. Das Schöne ist, dass die Jungs auch alles von Goldmeister in den Social Medien teilen. Dafür sind wir natürlich sehr dankbar.

Und ich kann aus ganzer Seele sprechen, dass das, was wir jetzt mit Goldmeister machen, genau das ist, was ich beziehungsweise wir schon immer machen wollten. Wir hatten ja auch schon zu Zeiten von Phoenix West einen Sinatra Song gecovert und online gestellt, der ganz gut abging.

Ajouré: Wie groß ist denn die Aufregung vor dem Release des ersten „Goldmeister“ Albums? Seid ihr noch völlig entspannt, oder habt ihr schlaflose Nächte?

Wir freuen uns sehr und sind natürlich auch aufgeregt. Schon zum Single-Release haben wir uns per WhatsApp gratuliert und angestoßen, weil wir es toll fanden. Und es ist schon so, dass man sich extrem darauf freut.

Ajouré: Was sagt ihr als Sänger denn zu so Formaten wie DSDS?

(Tiefer Seufzer von beiden) Schwer zu sagen, wenn man politisch korrekt bleiben möchte (lacht). Es spricht einfach eine gewisse Zielgruppe an und damit ist es dann auch schon erledigt. Und persönlich gefällt The Voice einfach besser. Es ist hochwertiger.

Ajouré: Was kommt danach? Tour oder Pause?

Ja, wir touren ein bisschen durchs Land. Am 18. Juni starten wir in Berlin. Hier sind wir dann im Privatclub zu sehen. Am 19. Juni sind wir dann bereits in Köln im Yard Club und am 20. Juni singen wir in der Nachtwache im schönen Hamburg. Am 21. Mai sind wir dann noch im ZDF Fernsehgarten. Wir haben also ein kleines bisschen was vor uns.

Ajouré: Auf was können wir uns denn 2018 neben dem Release am 18.05. von Goldmeister „Alles Gold“ von euch freuen?

Wir sind am 31. Mai bei einem Radiokonzert vom NDR. Live natürlich. Darauf freuen wir uns auch sehr. Alle anderen Termine stellen sich gerade heraus, aber da wird im Laufe des Jahres bestimmt noch einiges von uns zu sehen sein.

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Fotos: Christoph Köstlin / Deutsche Grammophon

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