Super-Comedian Chris Tall – Tour `18, „Chris Boom Bang“ und Magic-Moments

        Chris Tall    

#darferdas? Ja, darf er! Er ist jung, frech und beherrscht den Grat zwischen „geht noch“ und „einen Schritt zu weit“ wie nur wenige seiner Kolleginnen und Kollegen. Längst gehört Chris Tall zu den großen deutschen Comedians. Er ist ein Garant für Muskelkater in Bauch- und Gesichtsmuskulatur und gewann nur zu Recht den Deutschen Comedy-Preis, sowie den RTL Comedy-Grand-Prix. Wir haben Chris einige Fragen über sich, seinen Humor und seine Pläne für 2018 gestellt.

Chris Tall

Ajouré: Hey Chris, wer nicht völlig hinterm Mond lebt, weiß, wie begnadet du eigentlich bist. Du hast den RTL Comedy-Grand-Prix gewonnen und du warst ebenfalls Gewinner des „Deutschen Comedy-Preises“ in der Kategorie „Bester Newcomer 2016“. Du warst in unendlichen Social-Media-Posts „vorhanden“, in dem einfach alle den von dir ins Leben gerufenen Hashtag „darferdas“ nutzten, der den Nabel der Zeit getroffen hat. All das ist mittlerweile schon wieder ein bisschen her und die Frage, die sich uns jetzt stellt ist: Worauf dürfen wir uns als nächstes freuen? Was hat Chris Tall für 2018 parat?

Chris: Vielen Dank für das Kompliment. Ja, es war eine turbulente, aber eben auch Hammer-Zeit für mich! Ich hoffe, das Jahr ´18 bleibt weiterhin so spannend. Ab Januar gehe ich mit meinem neuem Solo „Und jetzt ist Papa dran!“ auf Tour. Zudem durfte ich für RTL die Show „Chris Boom Bang“ aufzeichnen, die in ´18 ausgestrahlt werden soll. Dabei behandle ich das Thema „Generation Clash“.

Ajouré: Hand aufs Herz, bist du jemand, der durchaus gerne diskutiert, wenn es etwas zu diskutieren gibt oder löst du alles lieber mit einem amüsanten Spruch oder etwas Humor? Gibt es einen ernsten Chris?

Chris: Grundsätzlich versuche ich, Themen erst mal mit Humor anzugehen. Da entsteht viel aus dem Bauch heraus, unabhängig vom zentralen Nervensystem (lacht). Ich gebe auch zu: ich bin ein ungeduldiger Mensch. Mittlerweile habe ich aber gelernt, zuzuhören und dann die verschiedenen Meinungen zu reflektieren.

Ajouré: Man sagt ja, „das Leben schreibt seine eigene Geschichte“. Wie und was inspiriert dich zu deinem Bühnenprogramm? Wie findest du immer wieder neue Themen, die in unsere aktuelle Zeit passen und wie schaffst du es, diese teilweise doch harten oder unschönen Dinge so humorvoll zu verpacken

Chris: Meine Ideen kommen durch Erfahrungen und Geschichten, die ich im Alltag erlebe. Diese bringe ich dann auf die Bühne. Klar erzähle ich vieles überspitzt, aber am Ende ist es authentisch und ehrlich. Manche Themen bearbeite ich nicht, weil ich mich zu wenig auskenne, oder mir dazu nichts Gutes einfällt. Z.B. das Thema „Terror“. Das können andere Comedians deutlich besser.

Chris Tall

Ajouré: Man könnte von unserer Seite aus meinen, dass du als Comedian dir mit deiner sympathischen Art irgendwie alles leisten darfst, egal wie böse es eigentlich ist. Zum Beispiel das Thema: Scherze über Rollstuhlfahrer und/oder Randgruppen. Wir hier sehen das so wie du, aber siehst du das selbst auch so? Was macht dich zu einer Art Teflon-Comedian, dem man nichts übelnehmen kann und an dem nichts anbrennt bzw. den man für seine #darferdas-Art sogar noch feiert?

Chris: In der Tat, das Motto „Darf er das?“ führt mich zu einer Reihe von Themenfeldern, die die sogenannte „political correctness“ betreffen. Aber dabei erfahren die Sprüche und Gags eine ganz klare gesellschaftliche Einordnung. Meine Gags richten sich niemals gegen irgendwen oder irgendwas, im Gegenteil: ich nehme mich genauso selbst auf die Schippe wie meine Eltern, Comedy-Kollegen oder etwa einen bayerischen Wanderverein. Wenn ich diesbezüglich austeile, kläre ich das innerhalb der Show noch entsprechend auf. Hier wird aus meiner Sicht niemand Gag-heischend ausgebeutet. Sondern auch der in der Show Angesprochene soll Spaß haben. Das ist auch kein scheinheiliges Verhalten, wenn ich die thematisierten Menschen dann im Anschluss als normal bezeichne. Das ist vielmehr mein Selbstverständnis.

Ajouré: Gehen wir mal ganz auf die Anfänge zurück. Noch weit vor Quatsch Comedy Club-Zeiten, wo du auch aufgetreten bist. Wann war für dich klar, dass du als Comedian auf die Bühne gehörst und wie hat sich das damals schon bemerkbar gemacht?

Chris: Für Comedy habe ich mich schon sehr früh interessiert. Mario Barth habe ich im Hamburger Theater gesehen, da war ich noch ganz klein. Da saß ich mit großen Augen und habe bewundert, was er da oben auf der Bühne macht. Da wusste ich schon: Das will ich auch machen!

Ajouré: Bei all den Auftritten ist eines ganz klar: Ohne zwischendurch mal abzuschalten geht das auf Dauer wohl kaum. Wie kannst du das am besten? Einfach hier in Deutschland in die Wohnung, Tür zu und Füße hoch, oder zieht es dich zum Runterkommen doch eher weit weg an einen Strand, wo du dir über neue Programme Gedanken machen kannst?

Chris: Zu Hause. Ich bin ein Familienmensch. Da tanke ich am meisten Kraft.

Chris Tall

Ajouré: Deine Auftritte finden mittlerweile vor mehreren Tausend Menschen statt. Beschreibe doch mal was in die vorgeht, wenn du vor einem solch großen Publikum stehst, die Halle ist gefüllt bis oben hin, alles schaut auf dich und dann geht es los. Was geht dir kurz vor dem Start und bei den ersten Schritten auf die Bühne durch den Kopf?

Chris: Kurz vor Auftritt zocke ich immer FIFA. Das beruhigt mich. Wenn ich dann rauskomme und das Publikum ist gut drauf, erwischt mich das immer wie eine mega-geile Welle. Das ist ein wahnsinnig tolles Gefühl. Das Publikum trägt mich dann praktisch durch die Show.

Ajouré: Bist du noch aufgeregt vor deinen Auftritten oder hat die Erfahrung durch etliche Auftritte dir die Aufregung genommen?

Chris: Ich habe keine Angst, aber ein Stück weit Aufregung gehört immer dazu. Ich habe immer noch großen Respekt, wenn ich auf die Bühne gehe. Da ist es aber egal, ob ich vor 100 oder 12.000 Leuten spiele.

Ajouré: Deine Eltern sind ja beinahe schon ein Garant für gute Stories und tolle Jokes. Bedeutet das, dass immer wenn ihr ein Familientreffen habt, du mit Block und Stift am Start bist, um ja alles mitzunehmen, was so passiert, oder sind es eher die Alltagsdinge, die dir zu den Programmpunkten verhelfen?

Chris: Beides! Mich inspirieren eigentlich ständig Sachen! Manchmal tippe ich auch Ideen sofort in mein Handy rein. Ich schreibe mein Programm aber auch nicht alleine. Mein lieber Freund und Comedy-Kollege Sascha Korf ist mein Head-Autor, Kay Ray hat mir wiederum bei dem Thema #darferdas? geholfen.

Ajouré: Wir denken, jeder Mensch hat eine oder vielleicht ein paar wenige Herzensangelegenheiten. Dinge, die einem besonders wichtig erscheinen. Sei es ein Botschafter für Gutes zu sein, Kindern ein Vorbild zu sein, sich irgendwie öffentlich engagieren. Was ist es, dass dir ganz besonders am Herzen liegt? Etwas was dich oft beschäftigt und wo du gerne mehr Mitspracherecht hättest.

Chris: Ein befreundeter Veranstalter von mir aus der Schweiz hat eine Charity-Organisation für nepalesische Kinder namens Magic Moments. Als ich bei ihm aufgetreten bin, hat er einen Trailer von diesen Kindern gezeigt. Das hat mich so berührt, dass ich mittlerweile für diese Organisation spende, bzw. im Fernsehen schon Spenden gesammelt habe. Auch für die Organisation von Bülent Ceylan bin ich schon aufgetreten. So versuche ich, etwas von meinem Glück weiterzugeben. Auch für das Thema Integration interessiere ich mich. Mich erreichen viele Zuschriften von sogenannten „Minderheiten“ (ich mag das Wort nicht), die sich wünschen, dass ich etwas über sie auf der Bühne mache. Ich werde versuchen, in meinem neuen Programm diese Themen anzusprechen.

Ajouré: Lieber Chris, danke für das lustige Interview und dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Wir freuen uns sehr auf dein neues Solo, sowie auf deine neue Show.

Chris: Danke für das nette Interview!


 
FYI: Unser letztes Interview mit Leonie Lencinas

 

Fotos: Robert Maschke

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