Backstage mit Fink im Interview

        "Berlin ist wie ein kreativer Knotenpunkt" - mit Finian Paul Greenall, Sänger von Fink im Gespräch    

Fin, du bist Wahl-Berliner. Wie kam es dazu, dass du dich in die Stadt verliebt hast?

Ich bin Ende 1990 zum ersten Mal nach Berlin gekommen, als Interrailer. Das war zu der Zeit total angesagt. Der Osten der Stadt war damals schon fast beängstigend. Ich habe die Stadt aber von Anfang an geliebt; wir waren oft auf Raves und ich habe in den 90er hier viel als DJ gearbeitet. Natürlich haben wir auch die Geschichten über David Bowie und Iggy Pop gehört. Berlin hatte schon immer einen rebellischen Ruf. Dennoch empfängt die Stadt einen mit offenen Armen, sie ist sehr aufgeschlossen und vor allem jung.

Was macht Berlin für dich so einzigartig?

Berlin ist wie ein kreativer Knotenpunkt. Wenn Du ein Künstler bist, egal welcher Art, und Du von deinem Ersparten länger etwas haben möchtest, ist Berlin der perfekte Ort zwischen all den Metropolen wie London, Paris, usw. Die Stadt zieht so viele Künstler an und wenn du in Kreuzberg, Mitte, Neukölln oder Friedrichshain lebst, hast du wahrscheinlich gleichgesinnte Nachbarn. Berlin schläft nie. Viele Künstler sind besonders nachts produktiv und wenn du um 2 Uhr morgens dann noch was Essen oder Trinken gehen möchtest, ist das hier kein Pro-blem. Außerdem ist das Wetter im Sommer großartig, entgegen der Vorstellungen vieler.

Beeinflusst Berlin die Art, wie du Musik machst?

Berlin inspiriert alle Musiker, die her kommen, auf unterschiedliche Art und Weise, weil hier große Freiheit herrscht, um sich ausdrücken und ausprobieren zu können. Als ich in Paris oder London gelebt habe, bist du wie in einer Tretmühle, egal welches Level du schon erreicht hast – du lebst um zu arbeiten und du arbeitest um zu leben. Die Balance stimmt einfach nicht. Das alles beeinflusst natürlich auch deine Musik. Wenn du den Druck hast, Geld verdienen zu müssen, wird sie vielleicht sogar kommerzieller, du kannst nicht sonderlich speziell sein, sondern bist davon abhängig, dass deine Musik überall gut ankommt und im Radio gespielt wird. Hier in Berlin hingegen kannst du dir auch mal einen Tag frei nehmen – oder eine Woche oder sogar Monate.
 
Fink Backstage

 
Welcher von euren Songs ist dein liebster?

Das ist aktuell Fall into the Light, der Haupttrack des Albums Horizontalism, weil er noch am frischesten ist. Wir spielen oft Songs, auf die wir an dem Abend besonders Lust haben. Da wir nie große Hits hatten, wissen wir auch nicht genau, wegen welcher Songs die Fans zu unseren Konzerten kommen, sodass die Gefahr besteht, dass zum Beispiel dein Lieblingssong dann gar nicht gespielt wird. Natürlichen wissen wir schon, welche Songs gut ankommen; vor allem hier in Deutschland, oder Europa, ist es Looking too Closely – in Amerika ist es Sort of Revolution. Wenn wir diese Songs also nicht spielen, wären viele ziemlich enttäuscht. Es fühlt sich dann oft komisch an, wenn man sagt, dass nun der letzte Song kommt und ein Raunen durch die Menge geht, vor allem, wenn der letzte Song dann oftmals nicht der erhoffte ist. Aber man kann auch gar nicht alle Songs spielen, man muss schließlich auch Platz für Neues schaffen.

Wenn du kein Singer/Songwriter geworden wärst, was würdest du heute stattdessen machen? Hast du weitere versteckte Talente?

Ich glaube, Musik generell hat mich davor bewahrt, frustriert und gelangweilt zu sein. Allerdings wahrscheinlich auch davor, wohlhabender zu sein. Aber es ist gut so, wie es ist, denn wenn du in das Alter kommst, in dem dein Bart langsam anfängt grau zu werden und du das tolle Gefühl hast, im Leben das getan zu haben, was du wirklich machen wolltest. Ich liebe aber auch Mode und ich glaube, wenn ich kein Musiker geworden wäre, hätte ich wahrscheinlich ein Modelabel gegründet. Ich mag außerdem Kunst, Fotografie und Skateboarden – aber ich bin noch lange nicht talentiert darin.

Du hast bereits als Komponist für Film-und Kinoproduktionen gearbeitet, wie beispielsweise für „12 Years a Slave“. Wie war das für dich und sind weitere Projekte geplant?

Das mit „12 Years a Slave“ ergab sich, weil ich Sachen mit John Legend schrieb, der im Übrigen ein fantastischer Musiker ist. Wir haben in Amerika ein paar Mal gemeinsam geschrieben und einer der Songs wurde dann für den Film verwendet. Darüber hinaus habe ich auch noch andere Film- und Fernsehmusik geschrieben; ich genieße den Prozess der Entstehung dabei wirklich. Ein richtiger Sound-track hingegen ist nochmal eine andere Herausforderung, der ich mich noch nicht gewachsen fühle. Aber generell liebe ich das Songwriting und mag es auch für andere zu schreiben. Für TV-Werbungen kann ich mich hingegen nicht begeistern, das mag ich nicht.
 

Fink im Konzert

 

Hinblicklich sozialer Medien hast du in einem Interview einmal gesagt, dass du zu beschäftigt damit seist, dein Leben zu leben, um ein Tagebuch zu führen. Findest du, wir verpassen heutzutage zu viel vom wahren Leben?

Für manche ist es toll und genau das Richtige, da sie sich so ein gewisses Leben ermöglicht haben, das sie sonst vielleicht nicht hätten – damit meine ich zum Beispiel Online-Gamer. Wenn du kreativ sein und dich online inspirieren lassen möchtest, musst die Balance zwischen all der Bombadierung der Kreativität anderer finden. Man kann sich ruhig von Youtube oder Instagram inspirieren lassen, aber ich bin noch aus einer anderen Generation, aus einer Zeit vor Handys und Internet. Ich habe Musik schon zu einer Zeit gemacht, in der man noch Disketten verwendet hat. Wir fühlen uns daher eher zu der Old School-Szene verbunden, als vielleicht ein 15 Jähriger, der Musik mit seinem Laptop macht. Die Technolgie und das Internet waren ein toller Fortschritt für die Musik. Jeder kann heutzutage Musik machen. Als mein Vater in den 60er Musik gemacht hat, war das alles noch viel aufwändiger mit den Demos. Heutzutage hingegen ist das alles einfacher und das finde ich toll.

Sind die Social Media-Kanäle aber nicht auch eine gute Möglichkeit, um als Band mehr auf sich aufmerksam zu machen und besser mit seinen Fans interagieren und Einblicke gewähren zu können?

Es ist toll mit den Fans direkt kommunizieren zu können, um Infos wie Tour-Daten oder Events, etc. mitzuteilen. Ich persönlich bin aber sehr privat und manche Dinge im Leben sollten auch einfach privat beiben. Als ich 2006 mit dem Singen und Songwriting angefangen habe, schrieb ich auch einen Blog, aber nicht lange, weil ich immer den Eindruck hatte, man würde angeben, wenn man von seinem Leben erzählt – wenn man beispielsweise von A nach B gereist ist und darüber geschrieben hat. Da fühlte ich mich nicht so wohl. Mein Drummer Tim hingegen ist ein großer Social Media-Fan – er kümmert sich auch um unsere ganzen Kanäle, damit es persönlich bleibt, da sitzt also kein Management dahinter. Er liebt es im Austausch mit den Fans zu sein.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus, wenn du nicht gerade mit deiner Band auf Tour bist?

Jetzt, wo ich in Berlin bin, fahre ich an einem normalen Tag in mein Fitnesscenter im Prenzlauer Berg, dann kaufe ich gerne Lebensmittel im Bio-Laden um die Ecke ein. Danach fahre ich mit der S-Bahn ins Studio und bleibe dort so lange wie möglich. Manchmal dauert ein Take zehn Minuten, manchmal drei Tage. Auch wenn du an einem Tag nur eine brauchbare Zeile schreibst, warst du produktiv.
 

Fink live

 

Gibt es etwas typisch Britisches, das du hier in Berlin vermisst? Zum Beispiel die Tea-Time?

Ich steh eher auf Kaffee (lacht). Ich vermisse richtig guten Bacon und Marmite. Ansonsten vermisse ich nicht viel. Ich liebe es zu reisen und in verschieden Städten zu leben.

Was macht ihr in der Regel nach einem Konzert?

Jede Show ist unterschiedlich, vieles hängt auch von der Location und von dem Backstage-Bereich ab, ob man anschließend dort noch verweilt. Gerade in Städten wie Berlin, wo man auch Freunde hat, die natürlich alle vorbei kommen, bleibt man dann doch noch ein bisschen länger. Als Sänger einer Band muss ich aber auch auf meine Stimme aufpassen. Nach jedem Konzert setzen wir uns immer kurz zusammen und reden über den Auftritt – das machen wir schon seit zehn Jahren so. Generell haben wir ein tolles Team und eine familiäre Atmosphäre.
 

Mehr über Fink findest du auf:

Fink: http://finkworld.co.uk
Fb: https://www.facebook.com/finkmusic
Fink ‘Too Late’: https://soundcloud.com/fink/too-late-radio-edit
 

Fotos: Lars Goldbach

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