Anton Spieker: In „303“ in zweieinhalb Stunden durch ganz Europa

        Anton Spieker in 303    

Es ist 13 Uhr und wir sind mit Anton Spieker, einem der beiden Hauptdarsteller von „303“, in einem Berliner Hotel verabredet. Wir durften den Film schon Wochen vor dem Kinostart sehen und waren, auf Grund der Story und der Umsetzung des Films „303“, sehr auf Anton gespannt. Im Film erkennt man deutlich, dass sein gespielter Charakter Jan auf eine eigene Meinung viel Wert legt, nachdenklich ist, uns aber immer wieder mit etwas Lustigem zum Lachen bringt. Wir wollten wissen, ob Anton in Wahrheit auch so einen lupenreinen Charakter hat, wie die Wochen des Drehs in halb Europa liefen und welches seine persönlichen Highlights hierbei waren.
 

Anton, wie findest du, ist der Film geworden und wie gut ist die Story umgesetzt?

Ich finde, dass der Film sehr schön geworden ist. Es ist nie so einfach, die eigenen Filme zu schauen, aber bei „303“ fiel es mir sehr leicht, weil ich so richtig eintauchen konnte. Schon aus diesem Grund finde ich, dass die Umsetzung sehr gut gelungen ist. Aber auch, da ja im Prinzip nur zwei Figuren mitspielen, die beide eine klare Haltung haben und für diese auch einstehen und sich genau deswegen so aneinander reiben können. Es ist nicht wie in der heutigen Zeit so oft, dass man sich zwingend gegenseitig gefallen möchte oder dem anderen versucht ständig gerecht zu werden, sondern eher darum, sich selbst gerecht zu werden, sich selbst zu gefallen und für seine Haltungen am Ende des Tages auch einzustehen. Das ist ja auch genau der Punkt, worüber sich die beiden in „303“ kennenlernen. Meiner Meinung nach, ist das eine sehr schöne Erzählweise und toll gelungen.

Man sieht dich in einer Szene als Karate-Lehrer, in der du Kinder trainierst. War diese Rolle auch gespielt oder hast du tatsächlich einen schwarzen Gürtel?

Willst du es ausprobieren (lacht)? Nein, ich kann tatsächlich kein Karate. Das war gespielt und gehört zu meiner Rolle, was ja später im Film durchaus noch einmal Sinn macht.

Zu Beginn des Films bekommst du in der Uni eine Klausur wieder. Der Professor meinte dazu, dass deine Ausführungen nicht wirklich politisch korrekt seien. Deine Antwort darauf war, dass es um den eigenen Standpunkt geht, nicht immer nur um Politik oder politische Korrektheit. Lebst du auch danach?

Ja, auf jeden Fall. Ich finde, dass dies die einzige Möglichkeit ist, wie man zu einem Selbstwertgefühl finden kann. Man sollte nicht wie ein Fähnchen im Wind jedem Trend hinterher eifern. Wir sollten uns alle immer mal wieder fragen: „Was will ich eigentlich haben und was will ich überhaupt sein?“ Wenn man ausschließlich mit den Trends in Instagram und Facebook lebt, dann wird man zum Produkt seiner Umwelt und dabei ist es viel wichtiger zu wissen, wer man selbst ist, denn nur dann kann man für sich die richtigen Entscheidungen treffen.

Ein interessanter Satz von dir im Film lautete: „Monogamie ist programmiertes Unglück.“ In wie weit greift diese Aussage ins echte Leben heutzutage deiner Meinung nach ein?

Ich denke, dass ist eine sehr charakterliche Frage und ich kann das nicht pauschalisieren. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich glaube allerdings schon, dass eine gewisse Unabhängigkeit sehr wichtig ist, um sein eigenes Glück zu finden aber das muss sich natürlich nicht auf das Sexuelle beziehen, sondern ist eher im Allgemeinen gemeint. Mit dem richtigen Partner in der Beziehung ist so etwas auf jeden Fall möglich. Ich denke, wir alle lernen nie aus. Das Schöne an der Schauspielerei und gerade auch an dieser Rolle war, dass ich selbst viel hinterfragt habe und durchaus das ein oder andere lernen konnte.

Was war der ausschlaggebende Grund, die Rolle anzunehmen?

Ich fand Jan von Anfang an sympathisch. Er ist halt wie er ist beziehungsweise wie das Leben ihn gemacht hat. Er ist mit seinem Stiefvater aufgewachsen, wusste dies aber eine sehr lange Zeit nicht und wunderte sich natürlich, weshalb er seinem Vater nie gerecht werden konnte, bis er eben irgendwann herausfand, dass er nur sein Stiefvater ist und sich für ihn somit vieles von selbst erklärte. Und diese Schwäche, dem Vater nicht gerecht werden zu können, veranlasste ihn, eine große Schutzmauer um sich herum aufzubauen, die er aber bei Jule schafft fallen zu lassen und sich letztendlich zu öffnen. Ich fand diese Eigenschaft sehr nahbar und verständlich und machte diesen Charakter sehr sympathisch für mich.

Ihr seid ja eigentlich nur zwei Schauspieler während des kompletten Films. Wie schwer war das für dich? Wie hart war es, die teilweise langen Takes abzudrehen?

Es war schwer und echt eine krasse Arbeit. Es finden viele Dialoge im Bus statt und dann musste dieser Bus ständig wieder auf Anfang gefahren werden. Aber jetzt wende mal dieses riesige Teil auf einer klitzekleinen Straße oder Gasse in Spanien. Da entstand schon ab und zu leichtes Chaos, denn wir waren ja nur ein kleines Team und die Straßen waren nicht alle abgesperrt. Da mussten wir alle sehr flexibel sein. Die langen Dialoge haben wir vorher geprobt, denn es war besonders wichtig, die langen Sätze und die Inhalte in kürzester Zeit auf den Punkt zu bringen. Das war schon nicht ganz einfach, würde ich behaupten.

Worin liegt bei 303 die Besonderheit für dich?

Die liegt darin, dass man zwei Menschen dabei zuschauen kann, wie sie sich verlieben, obwohl sie es gar nicht mitbekommen. Es war irgendwie wie im echten Leben und nicht wie bei einer klassischen Liebesgeschichte im Kino, wo plötzlich beide Seiten verliebt ineinander sind. Und gerade Jan und Jule dabei zuzuschauen, macht tierischen Spaß, weil man sich immer wieder selbst darin erkennt. Ich finde, dass „303“ eine sehr nahbare Geschichte ist, die den Zuschauer immer wieder zu sich selbst, seinem Leben und seinen Erinnerungen führt.

Ihr seid ja sieben Wochen durch Europa getourt. Was war hierbei der schönste Moment, an den du dich erinnern kannst?

Ich surfe privat sehr gerne und als wir in Frankreich ankamen, konnte ich tatsächlich etwas Zeit auf dem Wasser verbringen, da es ja auch eine Szene gibt, in der ich auf dem Surfbrett stehe. Der Dreh war insgesamt schon sehr anstrengend und das war eine tolle Abwechslung. Auf der anderen Seite hat mich aber auch unsere Arbeitsweise enorm weitergebracht, wofür ich ebenfalls sehr dankbar bin. Es ist schwer zu sagen, was von all den Momenten der schönste für mich war. Vielleicht war es die Erfahrung generell…

Baut man bei so einer intensiven Rolle eine Art Beziehung zu Jule auf, die auch nach Ende der Dreharbeiten fortbesteht?

Wir haben auf jeden Fall eine enge Freundschaft und eine tolle Verbindung. Wir haben sehr viel gemeinsam erlebt und das prägt einen natürlich schon. Und Mala Emde ist so ein tolles Mädchen, welches ja einige Jahre jünger als ich ist und mich dennoch in so vielen Fragen weitergebracht hat, dass es ein großes Geschenk für mich war, sie kennenzulernen und mit ihr zusammenzuarbeiten. Hieraus ist dann eine echt schöne Freundschaft entstanden, die wir uns auch nicht nehmen lassen.

Anton, drei kurze Fragen und drei knackige Antworten:

Wirkliche Freiheit erfährst du am besten durch…

…Menschen, die mich verstehen.

Das Schönste am Film 303 ist meiner Meinung nach…

…der Kuss.

Im LKW mitfahren mit einer Frau als Fahrer ist wie…

…LKW fahren mit einem Mann – aber es kommt auf die Straßenverhältnisse an (lacht).

Lieber Anton, vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Wir drücken die Daumen für den Filmstart von „303“ am 19. Juli 2018.

Anton Spieker im Interview
Anton Spieker im AJOURE´ Interview

 

Fotos: Alamode Film; AJOURE´

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