Kolumne: Wo Glück nichts kostet

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Thailand: Hieran würde ich mich gewöhnen können

Jeder Einzelne von uns definiert Glück irgendwie anders. Für jeden haben die verschiedensten Gegenstände oder Erlebnisse mal mehr und mal weniger Bedeutung und so lässt sich wohl nur sehr schwer ein Patentrezept für Glück ausstellen. Es ist vor allem so, dass sich unsere persönliche Definition von Glück mit den Jahren verändert und Dinge, die wir mit Anfang 20 als Glück betitelten, mit Mitte 30 lachhaft erscheinen und abgelöst werden von völlig anderen Wünschen, hinter denen sich dann vermeintliches Glück versteckt.

Es gibt wohl nur wenige Begriffe, zu denen es noch mehr Zitate zu geben scheint, als zum Thema Glück. Macht man sich also auf die Suche nach Weisheiten und Zitaten, findet man unter anderem folgendes: „Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war“, oder „Glück ist das Einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben“. Jetzt lesen wir uns diese Zeilen durch und stellen fest, dass das durchaus stimmig zu sein scheint. Vielleicht erinnern wir uns hierbei sogar an längst Vergangenes und stellen fest, dass wir eine Zeit hinter uns haben, in der wir glücklich gewesen schienen. Doch wir können die Zeiger der Zeit nicht zurückdrehen und versuchen, dass Glück beim nächsten Mal direkt zu erkennen. Ein direkter Lösungsansatz zum eigentlichen Problem sind diese Zitate aber leider nicht. Also fangen wir im Prinzip wieder bei null an und grübeln, was uns jetzt gerade zufriedener oder gar wunschlos glücklich machen könnte. Und umso mehr wir darüber nachdenken, desto mehr grenzt sich die Auswahl ein. Wenn die Anfangsresultate vielleicht noch ein besseres Auto oder viel Geld waren, werden diese nach und nach durch Reisen und Zeit im Ausland ersetzt. Durch mehr Zeit im Job, mehr Zeit mit der Familie, mehr Zeit für Dinge, die einem persönlich Spaß machen oder mehr Zeit mit Erlebnissen, deren Erinnerungen uns über Jahre begleiten könnten. Irgendwie scheinen sämtliche Wünsche, die wir früher hatten, durch den einen Wunsch nach mehr Zeit ersetzt zu werden. Oftmals gefolgt von Ruhe und einem stressfreien Leben. Doch ist es so einfach? Ruhe und Zeit? Wäre es nicht zu einfach, solch banale Dinge zu unserem anzustrebenden Lebensziel zu machen? Wie bereits gesagt, so unterschiedlich für uns die eigene Definition von Glück scheint, so ähnlich ist sie sich doch in einigen Punkten. Und ja, Zeit spielt hierbei eine maßgebliche Rolle. Weshalb sollten wir sonst Urlaube im Ausland buchen? Es ist der Durst nach Erholung vom Alltag, das Verlangen nach einer anderen Umgebung, einer neuen Kultur und der Heißhunger nach Freiheit, die wir zu Hause oftmals nicht verspüren. Warum? Termine, Druck, keine Zeit und jeden Tag dieselbe Leier, egal wohin man schaut. Und dann sind da ja noch die Anderen, die uns ständig zumüllen mit „hier ist alles schlecht“, „früher war alles besser“ und „hätte ich mal was anderes gelernt“. Weder interessieren uns deren Probleme, noch möchten wir uns und unsere gute Laune hinunter auf deren Ebene ziehen lassen, dort landen, verweilen oder vergammeln. Ist ja auch nicht unser, sondern deren Problem. Was also tun, um dieser Negativität entgegenzuwirken? Richtig, ab in´ Urlaub mit dem Ziel: Weg von hier!

Ich habe 17 Jahre in der Touristik gearbeitet und immer wieder diverse Berichte über ferne Länder geschrieben und zum Besten gegeben und ich war nie glücklicher, als während der Zeit im Ausland oder während ich Kunden erzählte, was auf sie zukommt und worauf sie sich freuen können. In diesen Minuten und Stunden schien jeder von ihnen die eigenen Problem(-chen) vergessen zu haben. Warum also sollte dies nicht der richtige Ansatz für permanentes Glück sein? Richtig, da war ja noch was: Arbeit. Wir sind zu alt, um so naiv zu sein und zu denken, dass es auch ohne Arbeit ginge. Aber sollten wir die vermeintlich glücklose Zeit nicht wett machen, in dem wir dann unsere Off-Days (amerik. Engl: freie Tage) bestmöglich nutzen? Spätestens an dieser Stelle hat jeder von uns ein anderes Land im Kopf, in welches er jetzt gerne reisen würde, um hier zwei Wochen zu verbringen. Und ja, der Gedanke dort sesshaft zu werden, ist an dieser Stelle wohl auch nicht fern, doch dieses Privileg haben nur die Wenigsten unter uns.

Aber was für einen Urlaub sucht man sich jetzt aus, wenn es darum geht, möglichst viele Glücksgefühle finden zu können? Tja, da hat jeder seine eigenen Vorstellungen. Für manche ist das Nonplusultra eine Kreuzfahrt durch die Karibik, andere wollen mit dem Camper wochenlang durch die Wildnis Kanadas turnen. Wieder andere sehen sich auf einer Safari in Kenia und Südafrika, auf der Suche nach den „Big Five“ und einige legen den größten Wert auf Kultur und Freundlichkeit der einheimischen Bevölkerung im Ausland und verbringen die Zeit im fernen Thailand. Ein Land, welches vom Urlaubertypen wohl keinen größeren Spagat machen könnte, denn hier wird das Glück auf die verschiedensten Weisen gefunden. Wir wissen, wovon die Rede ist. Alte „Überbleibsel“ längst vergangener Zeit reisen in dieses Land, um sich nochmal „verlieben“ zu können und so geht die Rente und Pension für billige Liebe in Asien drauf. Für die anderen Urlauber ist dieses Land auf Platz eins, da es an Freundlichkeit, Kultur und Kulinarik wohl kaum zu überbieten ist. Ich war selbst in der halben Welt unterwegs, mal mit einem Mietwagen, mal im Camper, mal mit Rucksack und manchmal einfach nur faul im Hotel. Vor ein paar Tagen kam ich aus Thailand zurück und bin nachhaltig beeindruckt. Warum? Weil so viele Mythen und Horrorstories meiner Reise vorausgingen und keine von ihnen zutreffend war. Hatte ich einfach Glück oder andere signifikantes Pech? Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal. Der Punkt ist schlichtweg, dass ich kein Land kenne, in dem ich so unaufgesetzt freundlich und nett behandelt wurde. Irgendwie stimmte hier alles und um ehrlich zu sein, wollte ich nicht einmal mehr zurück ins saubere, korrekte, durchorganisierte Deutschland, in dem es für alles Regeln, Paragrafen, Bestimmungen und Formulare gibt. Der Unterschied von dort zu hier ist, dass man mit wesentlich weniger deutlich zufriedener scheint.

Die Frage, die ich mir stelle, ist, ob dieses Denken nicht genau das ist, was am Ende des Tages erstrebenswert sein sollte. Leben und leben lassen, ohne dass alles haarklein mit Vorgaben und Verboten bestückt wird. Beispiel: Ein typisches Fortbewegungsmittel in Thailand ist der Roller. Wo hierzulande maximal zwei Personen aufsitzen dürfen, ist es dort keine Seltenheit, vorne den Vater sitzen zu sehen, dahinter die Frau, die auf dem Rücken ein Kind trägt und vorne, wo eigentlich die Füße des Mannes stehen sollten, hockt der kleine Sohn. Natürlich alles ohne Helm. Bei Regen. Auf der linken Straßenseite und ohne Licht. Fazit: Es funktioniert, denn man passt aufeinander auf. Die Unfälle, die mit Rollerfahrer passieren, sind in der Regel von Touristen verursacht, die die Gegebenheiten vor Ort einfach unterschätzen und dann einen ungeplanten Abflug auf die Straße hinlegen. Nächstes Beispiel: Taxifahren. Hier kommt, je nach dem in welcher Stadt man lebt, ein Taxi innerhalb von zwei bis 15 Minuten. Mercedes, Opel, Skoda und diverse andere Automobilhersteller bringen dich dann von A nach B. Klimatisiert natürlich. Mit einem Fahrer, der über einen Personenbeförderungsschein verfügt und natürlich die besten Stadtkenntnisse hat. Bezahlt wird nach der Fahrt, denn woher soll der Fahrer vor der Fahrt wissen, was es kosten könnte. Und über den Preis verhandeln können wir direkt knicken. In Thailand ist das ein wenig anders. Da stehen TÜV-unfähige Fahrzeuge mit Pritsche. Ohne Gurte, keine Airbags, keine Klimaanlage und wenn es kracht, dann fliegst du mit Volldampf ungebremst zum Mond. Aber: Es funktioniert. Und der Preis wird vorher besprochen. Zu teuer? Gut, dann wird verhandelt. Führerschein vorhanden? Wie, du verstehst die Frage nicht?

Es sind die alltäglichen Dinge, die das Leben dort einfacher gestalten. Du willst irgendwo parken? Dann parke irgendwo. Du willst dich irgendwo hinlegen, um zu entspannen – leg dich irgendwo hin. Eigentlich ist alles erlaubt, solange du niemandem auf den Keks gehst oder behinderst. Abends fliegen Glühwürmchen durch die Nacht und schauen dir zu, wie du an Essständen auf irgendwelchen Food-Markets etwas Essbares suchst. Alles gefunden? Macht dann zwei Euro.

Natürlich ist mir klar, dass man sich an alles irgendwann gewöhnt und dass alles zur Normalität wird. Die Frage, die ich mir stelle ist leidglich: Woran gewöhne ich mich lieber?

Kolumne von Daniel Heilig

Daniel Heilig

Eine AJOURE´ ohne Daniel wäre wie ein Perpetuum mobile ohne die Bedeutung der Unendlichkeit. Seit dem Gründungsjahr schrieb Daniel unzählige Artikel und gehört zu den Grundpfeilern in der AJOURE´ Men.

 

Fotos: duron12345 / stock.adobe.com; Daniel Heilig privat

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