Kolumne: Hell is waiting! Fang an zu leben.

        Kolumne: Hell is waiting! Fang an zu leben.    

Das Leben – welch kompliziertes Thema. Es gibt weltweit über siebeneinhalb Milliarden davon und jedes ist einzigartig. Keines von ihnen gleicht dem anderen und jedes wird nach anderen Vorstellungen gelebt und wertgeschätzt. Was soll ich sagen? Jeder macht etwas Individuelles daraus und das ist völlig in Ordnung, denn jeder hat nun einmal seine eigenen Auffassungen von einer „perfekten“ Existenz. Doch was gehört zu einem vermeintlich perfekten Dasein? Sollten wir die Zeit, die uns hier bleibt, nutzen, um bei allem auf Nummer sicher zu gehen, damit wir möglichst lange auf diesem Planeten verweilen dürfen oder haben wir damit den Sinn des Lebens verfehlt? Sollten wir uns als „Kunstwerk“ behandeln, auf kalorienhaltiges Essen, Extremsportarten und leicht fragwürdiges Verhalten verzichten, obwohl sie uns schmecken, Adrenalin ausschütten oder uns zum Lachen bringen? Sind es nicht genau diese „schlechten“ Dinge, die unser Leben erst lebenswert machen? Ich denke, viele würden gerne das ein oder andere Mal ihre Ketten sprengen, um etwas völlig Beklopptes zu tun, doch dann schreiten sofort Verstand und die Erziehung ein, die versuchen, einen davon abzuhalten, denn eventuell ist unsere Idee ja fragwürdig, ethisch nicht ganz vertretbar oder ansatzweise gefährlich. Doch im Prinzip fängt hier das Leben doch erst an – weit außerhalb der eigenen Komfortzone. Oder? Und dann sagst du dir: „Morgen. Morgen mache ich das – oder noch besser nächste Woche. “ Doch du wirst es niemals tun und du weißt es insgeheim genau.

Vor einiger Zeit habe ich auf Twitter einen Spruch gelesen, der mich kurzzeitig beschäftigt hat und gut zu diesem Thema passen könnte. „If it`s 1 or 1000 sins you’re still getting sent to hell. So why not go for 1.000.000 sins and come down here as a legend!“ Ach, ihr seid sündenfrei? Echt jetzt? Okay, halten wir einmal fest, dass ich vielleicht nicht der gläubigste Mensch auf diesem Planeten bin, aber dennoch kenne ich die 10 Gebote (nachdem ich sie gegoogelt habe) – was nicht bedeutet, dass ich nach diesen lebe, doch darum geht es jetzt auch nicht. Aber wie viele von uns kennen in der heutigen Zeit diese zehn „Anweisungen“ und wie viele von uns haben diese bereits gebrochen und haben, vielleicht ohne es zu wissen, eine Sünde begangen? Schauen wir bei dem ein oder anderen Gebot mal, ob ihr sündentechnisch bereits Vollgas geben könntet, weil ihr es eh verschissen habt oder ob eure Weste noch so rein ist, wie eine frisch ausgepackte Windel.

Kommen wir direkt zum zweiten Gebot, welches besagt, dass ihr den Namen Gottes nicht verunehren sollt. Hand aufs Herz: Wer hat kurz vorm Höhepunkt noch nicht gerufen „Oh mein Gott“. Ich glaube kaum, nein, ich wage sogar stark zu bezweifeln, dass Gott an dieser Stelle der richtige Ansprechpartner für euch wäre. Unterm Strich jedenfalls: Sünder!

Im dritten Gebot steht, ihr sollt den Tag des Herrn heiligen. Ich musste erst einmal googeln, was die gemeint haben… Erläuterungen hierzu sind überflüssig. Spätestens seit es verkaufsoffene Sonntage gibt, seid ihr am Arsch. Sünde!

Im sechsten Gebot heißt es, dass ihr nicht ehebrechen sollt. Tja, mit dieser Nummer habe ich euch dann wohl in die Parade geschissen, Freunde. Resultat: Gesündigt.

Auf Platz sieben der heiligen Top Ten verlangt man euch ab, niemals zu stehlen. Erschreckend wie versündigt ihr seid, oder…

Jetzt kommen wir wohl zum achten und absoluten Bros-Overs-Hoes-Gebot: Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen. Ha! Wie viele von euch haben der Freundin des Freundes schon einmal irgendwas vorgelogen, um den eigenen Buddy zu schützen? Genau, Sünde! Genau genommen sollte man hierfür aber in den Himmel kommen. Mit VIP-Bändchen und Freigetränk.

Mit Nummer neun reiht sich passend zum achten Gebot direkt „ihr sollt nicht begehren eures Nächsten Weib“ ein. Absolutes No-go, passiert aber trotzdem. Zack, eine Etage tiefer bitte!

Wie ihr seht, wird da unten ganz schön viel los sein und die meisten eurer Freunde werden wohl vor oder nach euch ebenfalls dort eintrudeln. Und keiner von den Jungs und Mädels hat ‘ne weiße Windel an. Ebenso wenig wie ihr. In einer Sache könnt ihr euch aber sicher sein: Da unten geht’s härter ab, als auf einer Hausparty von Charlie Harper in „Two And A Half Men“. Und wenn sich das nicht lohnt, weiß ich auch nicht.

Die Frage, die sich einem stellt, ist doch, was man erlebt hat und mitnimmt, wenn der Moment gekommen ist, an dem wir in die Kiste hüpfen. Eines steht fest – wir werden es nicht schaffen, unser Auto oder unsere teure Couch mitzunehmen. Fehlende Lebensfreunde lässt sich ebenfalls nicht einpacken und auch das ganze viele gesparte Geld auf dem Konto bleibt da, wo es ist. Hier muss ich immer an einen ehemaligen Slogan von Air Berlin denken: „Fliegen Sie doch mal Business Class, Ihre Erben werden es tun.“ Was also bleibt euch an eurem jüngsten Tag, kurz bevor es Six-Feet-Under geht? Richtig: Lebenserfahrung, Erinnerungen an die Momente, die euch den Atem raubten, eure Reisen quer durch die Welt und Gefühle, die ihr für irgendwelche Personen in eurem Leben irgendwann einmal zugelassen habt.

Die gute Nachricht: Momentan lebt ihr noch und ihr habt die weiße Windel ja schon in euren Händen, reingepullert habt ihr offensichtlich bereits, ohne es zu wissen, also schlüpft rein und lasst es krachen! Wann war das letzte Mal, dass ihr etwas zum ersten Mal getan habt?

Wie heißt es so schön: Eines Tages werden wir sterben. Aber an allen anderen Tagen nicht!

 

Kolumne von Daniel Heilig

Daniel Heilig

Eine AJOURE´ ohne Daniel wäre wie ein Perpetuum mobile ohne die Bedeutung der Unendlichkeit. Seit dem Gründungsjahr schrieb Daniel unzählige Artikel und gehört zu den Grundpfeilern in der AJOURE´ Men.

 

Foto: noeemi_fotolia / stock.adobe.com; Daniel Heilig privat

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