Kolumne: Gute Vorsätze? – Am Arsch!

        Gute Vorsätze? – Am Arsch!    

Woher der Brauch, sich mit vermeintlich guten Vorsätzen für das neue Jahr vorzubelasten, noch ehe es überhaupt begonnen hat, genau kommt, ist irgendwie nicht ganz einfach zu beantworten. Wenn man danach sucht, stößt man von Geschichten aus dem alten Rom und deren jährliche Feier zu Ehren des zweigesichtigen Janus (dem alten Twoface), bis hin zu Storys über Juden, die die 10 Gebote nicht einhalten konnten, sie brachen und somit sündigten und den Vorsatz hatten, im neuen Jahr dann aber alles besser machen wollten. Was hiervon mehr Sinn macht, weiß ich nicht, ist mir aber tatsächlich auch völlig Wurst, letzteres ich stelle mir aber recht amüsant vor. Wie haben diese Vorsätze dann wohl ausgesehen? Vielleicht so: „Nächstes Jahr werde ich echt nicht mehr töten.“ „Ich will meine Frau nächstes Jahr wirklich nicht mehr betrügen.“ „2019 klaue ich definitiv nicht schon wieder (im selben Laden).“ „Ich höre auf, die Frau meines Kumpels anzubaggern.“ Alles Dinge, die man nicht mehr tun möchte, nicht mehr sagen möchte, unterlassen will oder sich abgewöhnen möchte. Irgendwie sehr negativ das Ganze. Ein fester Schlag auf den Okzipitallappen hätte es auch getan. Dann wären wir heute wenigstens von seltsamen Vorsätzen verschont geblieben.

Ich halte nicht viel davon, sich selbst irgendwas vorzumachen, nur damit es einem für den Moment besser geht. Noch schlimmer sind Vorhaben, die dafür sorgen, dass es anderen durch unser Vorhaben besser gehen könnte. Dann ist man ja gleich doppelt am Arsch und in Zugzwang und bürdet sich etwas auf, was man so schnell nicht wieder loswird. Völlig ohne Sinn also.

Ich finde, diese guten Vorsätze sind besonders zum Ende des Jahres hin etwas, was dazu beiträgt, dass wir uns den Rest des noch laufenden Jahres weiterhin „falsch“ verhalten dürfen, denn in unseren Gedanken machen wir es ja bald besser. Wir wissen, dass rauchen schlecht ist. Aber warum im November aufhören, wenn der Januar nicht mehr weit ist. Wir qualmen also genüsslich weiter, denn unser erster Vorsatz ist, am 01.01.20xx damit aufzuhören. Ist ja kein Problem #hastegedacht.

Ganz großes Kino sind auch diejenigen, die sich ab Januar ausschließlich gesund ernähren möchten. Nur noch gesunde Fette und bloß nichts, was Zucker beinhaltet. Dein neues Jahr startet also mit vorprogrammierter schlechter Laune, denn der Zuckermangel, die fehlenden Kohlehydrate in Form von Spaghetti und die Burger, die jetzt jemand anderes futtert, hauen dir aufs Gemüt, denn irgendwie ist ein Sättigkeitsgefühl, wie du es kanntest, verschwunden. Salat und Gemüse machen sich in deinem Magen breit und suggerieren deinem lädierten Körper, dass die Umstellung dem seichten Dahinvegetieren im Fegefeuer einer Avocado-Clean-Eating-Bar gleichkommt. Du leidest also ins neue Jahr hinein, dein Umfeld bekommt dies zu spüren und du denkst dir: „Es ist erst Januar, – dass der sich immer so ziehen muss.“

Ein ebenfalls gerne in Angriff genommener Vorsatz ist, sich im nächsten Jahr endlich zu verlieben und eine intakte und erwachsene Beziehung zu führen. Das wird bereits im Vorfeld eng, denn du hast ja schlechte Laune, da du dich auf einer Gesundheitsmission befindest. Welches Date will mit einem schlecht gelaunten Typen mit Avocado-Resten in den Backen in einer Bar ein stilles Wasser oder einen Kamillentee bestellen? Geht also auch in die Hose, dafür hast du vielleicht zwei Kilo verloren, denn ohne Kohlenhydrate nimmt man ja ab #hastegedacht. Dumm nur, dass das niemand sieht, denn das Bar-Problem haben wir ja gerade erörtert.

Im Prinzip führt doch nur unser schlechtes Gewissen zu neuen Vorsätzen, oder? Jemand ohne Gewissen muss nichts ändern und Leute mit Gewissen ändern nichts, solange es nichts Schlechtes ist. Doch es sind gerade die schlechten, bösen und ungesunden Dinge, die das Leben spannend und lebenswert machen. Und die wollt ihr jetzt abschaffen? Am besten alle auf einmal…? Tja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und eine Zeit lang könnt ihr euer Vorhaben sicherlich durchziehen, doch irgendwann fallt ihr in die alten Marotten zurück und zack – da steht die Spaghetti Bolognese mit der großen Cola auf Eis. Und jetzt sag mir, nachdem du den ersten Schluck getrunken hast, dass der Verzicht eine gute Idee war. War blöd, merkste selbst, oder?

Ich sage ja nicht, dass Vorsätze grundsätzlich eine schlechte Idee sind, aber sie sollten zum einen erträglich sein und uns zum anderen weiterbringen oder, und das dürfte wohl das Wichtigste sein, glücklich machen. Änderungen sind gewöhnungsbedürftig, aber es gelingt leichter, wenn man Spaß daran hat. Wie wäre es denn, wenn die neuen Vorsätze keine Verzichte beinhalten würden? Nirgends steht geschrieben, dass ein guter Vorsatz zwingend etwas mit einer schlechten Angewohnheit zu tun haben muss, die wir ablegen wollen (oder auch nicht ablegen wollen). Was dies am Ende des Tages bedeutet? Ihr freut euch auf das neue Jahr und auf die Zeit, die vor euch liegt, denn ihr habt euch Dinge rausgesucht, die Nervenkitzel bringen, Adrenalin ausschütten oder euch in fremde Länder führen.

Die Liste der Möglichkeiten für positive Vorsätze ist endlos lang. Genau genommen wohl viel länger, als die Liste der schlechten Vorsätze. Außerdem könnt ihr die guten Dinge auch mit eurer Partnerin unternehmen. Keine Frau an eurer Seite möchte freiwillig mit euch durchs Schattenland des Nicht-Mehr-Rauchens gehen, denn eure Laune ist echt beschissen. Aber mit einem Fallschirm aus nem Flieger hüpfen – da könnten schon mehrere Menschen begeistert dabei sein. Die Wohnung oder das Haus streichen geht auch, denn ihr verbringt gemeinsam Zeit und erschafft etwas Neues. Zu zweit mit dem Rucksack durch Asien? Wer will sowas nicht?! Alles Vorsätze, auf die man Lust hat und um die man sich kümmert, sobald das neue Jahr begonnen hat.

Aber was passiert denn jetzt mit unseren schlechten Angewohnheiten?

Tja, da gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste Variante könnte so lauten: Lass deine Macken wie sie sind und lebe damit. Sie scheinen nicht so schlimm zu sein, dass sie dich wirklich stören, denn sonst hättest du schon längst damit aufgehört. Die zweite Variante wäre: Ändere das, was dich an dir selbst stört in dem Moment, in dem es dir auffällt. Die Vor-Sich-Her-Schieberei kostet unnötig Zeit. Außerdem denkst du immer und ewig darüber nach, bis zu dem Moment, wo du endlich angefangen hast, etwas zu ändern.

Ich werde mir aus Überzeugung keine Vorsätze vornehmen. Ich mache mir viel lieber einen Plan, wann ich was erleben möchte, wen ich wo treffen kann und wohin ich am besten fliege, um mal wieder ein neues Land kennenzulernen. Ob ich aufhöre zu rauchen? Vielleicht von heute auf morgen – ganz ohne Plan, denn ich rauche gerne. Punkt. Ob ich mehr für meine Kondition machen werde? Wäre von Vorteil, aber wir wollen die Kirche mal in Dorf lassen.

 

Ich wünsche euch einen stressfreien Start ins neue Jahr – mögen euch eure Vorsätze mehr Spaß bringen als 2018.


Kolumne von Daniel Heilig

Daniel Heilig

Eine AJOURE´ ohne Daniel wäre wie ein Perpetuum mobile ohne die Bedeutung der Unendlichkeit. Seit dem Gründungsjahr schrieb Daniel unzählige Artikel und gehört zu den Grundpfeilern in der AJOURE´ Men.

 

Foto: Daniel-Berkmann / stock.adobe.com

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