Ich kann da was, was du nicht kannst…! Neidgesellschaft Deutschland

           

„Mach das weg! Nicht, dass das die anderen sehen!“ Solche Sätze sind bei uns leider an der Tagesordnung. Das mysteriöse ist, könnte jeder diesen Satz begründet von sich geben, gebe es diesen erst gar nicht. Was tun, wenn es uns gut geht und andere uns das nicht gönnen? Richtig, wir sollten voll auf die Kacke hauen! Raus damit, man lebt nur einmal. Getreu dem Motto einer renommierten Airline: „Fliegen Sie doch mal Business Class – Ihre Erben werden es tun.“

Nahezu jeder Deutsche hat Freunde oder Bekannte, denen es besser geht, als einem selbst. Doch ist dies alleine Grund genug, sich zu ärgern? Nur weil Nachbar einen Elfer und einen dicken BMW in der Garage stehen hat? Zusammengerechnet hat er doch lediglich eine Summe Achtzehn in der Hütte geparkt. Wo ist also das Problem? Richtig. Vermeintliches Ansehen Dritter. Ist er höher gestellt als wir? Und überhaupt, woher hat der Typ die Kohle? War die gestern schon da, oder hat er das geerbt? Außerdem arbeite ich viel mehr als er, wieso habe ich dann keine Summe Zwanzig in der Garage? Das Gefühl des Neids existiert schon seit Menschengedenken. Man könnte sogar meinen, dass sogar die Neandertaler dieses Phänomen kannten. Hatte der Ober-Ötzi eine größere Keule, musste man sie ihm wegnehmen. Aber wohin bringt uns das? Reist man durch die Welt und nimmt als Beispiel die USA, die ja immer für ein negatives Exempel gut sind, dann fällt ganz schnell auf, dass die Amis in diesem Punkt ganz anders und viel angenehmer ticken als wir. „Kannst du was, hast du was. Dann zeig es auch!“ Wenn der US-Zahnarzt um die Ecke einen kleinen Chevrolet fährt, dann taugt er nichts, also geht man zu einem anderen. Doch in Deutschland funktioniert diese Logik nicht. Wir sind eher wie „Kannst du was, hast du was – verstecke es bloß, sonst sind deine Kunden weg!“

Doch woher kommt Neidgefühl? Wie entsteht es? Man muss zwischen Neidgefühlen bei Männern und Frauen unterscheiden. Während bei den Damen eher Neid auf Aussehen und Attraktivität im Vordergrund steht, ist für die Herren Potenz, Erfolg und Geld der Hauptgrund, dass sie jemand anderen beneiden. Wir vergleichen uns gerne mit dem Nächsthöheren, bei dem wir Ähnlichkeiten zu uns selbst feststellen. Fällt die Bilanz dann eher schlecht aus, entsteht Neid. Robert Lembke sagte einst: „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.“

Letztendlich werden wir keine Lösung für das Problem finden, denn es scheint fest in uns verankert zu sein. Aber vielleicht macht es das Leben hin und wieder leichter, wenn wir einfach etwas mehr „gönnen“ können.

Foto top: Gemäldeausschnitt The Seven Deadly Sins and the Four Last Things von Hieronymus Bosch



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