HURTS im Interview: „Ich glaube, wir leben in einer komischen Zeit…“

        HURTS    

Pünktlich um 17 Uhr erwarten uns Theo Hutchcraft und Adam Anderson zum Interview im Berliner Hyatt Hotel. Unglaubliche sieben Jahre sind bereits vergangen, seit ihr Erfolgs-Hit „Wonderful Life“ die Charts eroberte. Seitdem ist eine Menge passiert und der Sound von HURTS hat sich weiterentwickelt. Die britische Synthie-Pop-Band hat mittlerweile ihr viertes Album veröffentlicht und unter anderem in Berlin live präsentiert. Besonders Theo kommt auf der Bühne immer aus seiner Haut und bringt mit seiner Coolness, seinen Moves und seiner unverwechselbaren Stimme die Mädels in den ersten Reihen regelrecht in Ekstase. Etwas gesitteter ging es dann doch in unserem Interview mit den Jungs aus Manchester zu.

Ajouré: Euer neues Album „Desire“ ist sehr einprägsam und die Lieder bringen eine starke Aussage mit sich. Was ist euer Lieblingssong auf dem neuen Album?

Theo: Mein Lieblingslied auf unserem neuen Album ist „Something I Need to Know“. Es ist eine sehr emotionale Ballade, die sich für viele unserer Fans vertraut anhören sollte.

Adam: Ich persönlich mag „Chaperone“ sehr gerne – es ist ein relativ kurzer, süßer und unschuldiger Sound, der ganz anders ist als das, was wir früher produziert haben.

Ajouré: Ihr habt das Album in der letzten Minute fertiggestellt, wie kam es dazu?

Theo: Das liegt daran, dass wir wirklich bis zur letzten Minute arbeiten wollten. Anfangs setzt man sich selber einen Stichtag, irgendwann gibt es dann vom Label einen wirklichen Stichtag. Was häufig passiert ist, dass Lieder schon fast zwei Jahre alt sind, ehe das Album dann endlich herauskommt. Wir wollten das bei dem neuen Album anders machen. Manche unserer neuen Lieder sind wirklich erst ein paar Wochen alt, unsere Musik soll sich dadurch ein wenig frischer anhören. Es ist das erste Mal, dass wir ein Album so produziert haben – es ist zudem auch einfacher, unter Druck zu arbeiten. Allerdings haben es dadurch auch einige Songs gar nicht auf das Album geschafft.

Ajouré: Wie unterscheidet sich das neue Album von euren vorherigen?

Adam: Die Produktion war wesentlich sauberer und besser als bei unseren vorherigen Alben. Die Lieder sind etwas direkter und es gibt einige Songs, die kürzer sind als zuvor. Früher haben unsere Lieder immer um die vier bis fünf Minuten gedauert, auf dem neuen Album sind die Songs immer circa drei Minuten lang. Das Album ist wesentlich konzentrierter, wir haben versucht ein Pop-Album zu machen, jeder einzelne Song ist auch ein Pop-Song. Zusammengefasst würde ich sagen: Das Album ist direkt, kurz, ehrgeizig und herzlich. Es ist insgesamt ein sehr positives Album. Auch wenn die vermittelten Inhalte nicht so eine leichte Kost sind, so hat das Album dennoch einen leichten, aufheiternden Klang.

 
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Ajouré: Euer Lied „Beautiful Ones“ ermutigt die Leute anders zu sein. Wie kann es sein, dass es in unserer heutigen Zeit, mit all den Möglichkeiten die wir haben, immer noch nicht selbstverständlich ist, individuell zu sein. Was denkt ihr darüber?

Theo: Ich glaube, wir leben in einer komischen Zeit, in der es – aus welchem Grund auch immer – schwer für die Leute ist, individuell zu sein. Das hat viel mit der Einstellung zu tun. Selbst wenn du in Berlin oder in London lebst und denkst, dass du in einer komplett freidenkenden Stadt bist, musst du auch daran denken, dass es Menschen in der gleichen Stadt gibt, denen es nicht so gut geht und auch welche, die nicht wollen, dass andere Menschen sie selbst sind. Wir dachten uns, wenn man eine Stimme hat – so wie wir –, die von vielen Menschen gehört wird, ist das Beste, was wir machen können, die Leute zu ermutigen und zu unterstützen. Denn es ist wichtig, dass du du sein kannst.

Ajouré: Dass euch Individualismus wichtig ist kann man auch im Musikvideo zu „Beautiful Ones“ sehen. Wie kamt ihr auf die Idee zu dem Musikvideo, das rückwärtsläuft und in dem du, Theo, einen Transvestiten spielst, der zusammengeschlagen wird? Warum ist euch das Thema so wichtig?

Theo: Die Idee für das Video war, die Nachricht des Liedes zu verstärken und verständlich zu machen. In dem Lied geht es darüber, dass man sich treu sein soll und wir dachten, diese Message zeigen wir am besten, indem wir in dem Musikvideo zeigen, wie schwer das für manche Menschen sein kann. Wir wollten der Aussage des Songs damit mehr Kraft verleihen. Es ist eine Geschichte über Rache und Stärke, das Video ist auf jeden Fall schwere Kost. Allerdings ist es ein Thema, das die Leute nicht einfach ignorieren sollten, auch wenn es im Video sehr schlimm aussieht. Diese Dinge passieren leider auch nun einmal in der echten Welt.

 
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Ajouré: Wenn man euch so sieht, ist es klar, dass ihr euch auch in der Modewelt wohlfühlt. Ist das aufgrund des Band-Images oder ist Mode euer persönliches Interesse?

Adam: Mir persönlich ist Stil wesentlich wichtiger als Mode. Ich bin an beidem interessiert, aber ich finde, dass Stil viel wichtiger ist. Stil ist eine Form der Kommunikation, mit der du auf deine ganz eigene Art und Weise kommunizieren kannst. Anstatt Kleidung zu tragen, die jeder trägt, kannst du auch etwas suchen, das nur du tragen würdest. Ich versuche immer Dinge zu finden, die mich ansprechen und mit denen ich etwas Persönliches, Individuelles aussagen kann. Ich finde, man kann viel mit seiner Kleidung aussagen, ohne zu reden.

Ajouré: Ist es wahr, dass es einen speziellen Grund dafür gibt, dass ihr immer Anzüge tragt?

Theo: Wir haben das am Anfang so gemacht, denn wir waren beide arbeitslos und hatten es nicht leicht, als wir mit der Musik starteten. Durch die Anzüge haben uns selbstsicherer und stärker gefühlt. Bei Treffen mit der Record-Firma war es wichtig, dass wir selbstbewusst auftreten, also haben wir angefangen, Anzüge zu tragen, und es hat wirklich funktioniert. Man fühlt sich wirklich selbstbewusster, die Anzüge haben uns in dieser Hinsicht wirklich geholfen.

Ajouré: Was ist euer größtes Desire (Begehren)?

Adam: Das ist eine einfache Antwort: Das zu tun, was wir im Moment machen. Musik zu produzieren macht uns unglaublich viel Spaß und wir sind sehr dankbar, dass wir so weit gekommen sind. Wir haben beide unterschiedliche und natürlich auch gemeinsame Ziele, die wir erreichen wollen und das gemeinsame Arbeiten fühlt sich wie eine tolle Reise an.

 
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Seit dem 29.09.2017 ist das neue Album „Desire“ erhältlich.
Wenn dir das Album gefällt und du die Jungs auch einmal live erleben möchtest, hast im November und Dezember die Chance dazu:

14.11.2017 Hamburg, Mehr!Theater
15.11.2017 Berlin, UFO im Velodrom
03.12.2017 München, TonHalle
04.12.2017 Köln, Palladium

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Fotos: Bryan Adams

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