Alles riskieren für ein bisschen Spaß? Part II

           

Zwei meiner besten Freunde sind gerade mitten im Scheidungsprozess. „Echt?? Die beiden? Die sahen doch immer so glücklich aus, die haben sich doch geliebt!“ Und das taten sie auch, was aber anscheinend kein Grund war für eheliche Treue.

Wusstet ihr, dass in den USA die Scheidungsrate mittlerweile bei über 50 Prozent liegt? Betrachtet man die schrumpfende Anzahl aller Paare, die sich überhaupt noch vor den Altar trauen, ist das besonders erschreckend. Mehr als jedes zweite Paar, das sich an irgendeinem Punkt im Leben mal so sicher war, den einen Richtigen gefunden zu haben, mit dem man alt werden will, überlegt es sich im Laufe der Ehe doch noch anders. Eines der meist genannten Gründe: Untreue.

Moralisch nach wie vor höchst verwerflich, biologisch betrachtet aber im Trieb des Menschen verankert, genauer gesagt im Trieb des Mannes. Evolutionsbedingt sind männliche Wesen stets darauf bedacht, ihre Gene optimal weiterzugeben. Das machen Tiere, indem sie mehrere Partner begatten. Je ungleicher die Gene zweier Partner, desto stärker und immuner das Resultat. So wird abgesichert, dass unter allen Nachkommen zumindest einige mit starken Genen dabei sind. Das Männchen sichert sich somit ab, es trägt trotz vieler Nachkommen immerhin recht wenig Verantwortung, muss weder Baby austragen noch säugen oder ernähren. Diese Aufgaben fallen dem Weibchen zu, das daher nicht darauf bedacht ist, möglichst viele Nachkommen mit möglichst vielen Partnern in die Welt zu setzen, sondern von Anfang an das stärkste und verantwortungsvollste Männchen an sich zu binden. Kommt bekannt vor? Das ist auch bei uns Menschen nicht viel anders. Der Kerl will seinem Ego einen gefallen tun und möglichst viele Frauen beglücken, denn dadurch steigt sein Marktwert (das mit dem Kinder in die Welt setzen fällt hierbei natürlich weg, schließlich hat die Menschheit auch das Wort „Unterhaltszahlung“ erfunden). Frauen wiederum sind eher darauf bedacht, zumindest in festen Beziehungen, den einen Richtigen zu finden, der sie umsorgt und ihr beisteht. Eine Absicherung eben, die sie an Persönlichkeit, aber auch anderen Punkten wie finanziellen Erfolg oder sozialen Rang festmacht.

„Ich kann nichts dafür, das ist halt so“, gilt nirgendwo

Darwin erklärt also ganz wissenschaftlich den Grund für männliche Untreue. Und der hat mit Gefühlen nicht viel zu tun. Nun bleibt aber übrig zu fragen: Hat uns Kultur, also das, was den Menschen vom Tier unterscheidet, nicht zu einem besseren Wesen gemacht? Zu einer Art, die tierische Triebe unter Mitgefühl und Vernunft stellen kann? Ist sexueller Trieb nicht einfach nur eine faule Ausrede, eine schlechte Rechtfertigung für unmoralisches Verhalten?
Wir durchbrechen doch jeden Tag Physik und Biologie, haben gelernt, Regeln zu befolgen, die alles andere als natürlich und instinktiv sind. Wieso schaffen wir es, auf Grundnahrungsmittel wie Fleisch zu verzichten, um Tiere zu retten und unserem Körper gut zu tun, aber gegenüber dem Partner, dem wir aus Liebe nie wehtun oder verletzen wollen, nicht genügend Loyalität, Anstand und Respekt zu erweisen?

Lust und Trieb sind also kein gutes Argument. „Ich kann nichts dafür, das ist halt so“, gilt nämlich nirgendwo, auch nicht in der Liebe. Wieso dann also so viel Untreue, so viel Fremdgehen, so viele Affären. Und wir wollen mal das weibliche Geschlecht hier nicht als Unschuldslamm dastehen lassen. Die biologische Erklärung mit Evolutionsansatz verliert kein Wort über weibliche Untreue, wo wir doch alle wissen, dass auch Frauen es mit der Loyalität nicht immer allzu ernst nehmen. Es ist vielleicht einfacher und primitiver, irgendwie auch verwerflicher, als man denkt. Es bietet sich einfach an.

Der Mensch ist heutzutage egoistischer. Wir kümmern uns gerne um uns selbst, wollen uns glücklich sehen, mehr noch als andere. Wenn etwas nicht passt, wird nicht mehr dran rumgefummelt, es wird einfach weggeschmissen. Das gilt für Materielles genauso wie für Ziwschenmenschliches. Keine Lust mehr auf das IPhone 5? IPhone 5s schon in der Bestellung. Wieso? Wegen minimaler Verbesserungen, äußerlich nicht einmal zu erkennen. Und wenn der Partner einem nicht mehr passt, wird er eben genauso ausgetauscht. Dank neuer Technologien und moderner Infrastuktur ist es heutzutage auch so unglaublich leicht, neue Kontakte zu knüpfen. Optionen zu Affären und anderen Partnern gab es immer, aber heute können sie wirklich genutzt werden. Seelenverwandschaft war einmal, es gibt immer jemandem, der besser zu uns passt als der aktuelle Partner, und dieser jemand kann dank Kommunikationsmöglichkeiten wie Handy, Facebook, diverse Websites und ultraschnelles Internet (es sei denn, man sitzt in der deutschen Bahn) auch ganz einfach gefunden und erreicht werden. Wir wollen nicht mehr mit etwas Gutem zufrieden sein, wir wollen mit dem Besten absolut glücklich sein. Mit anderen Worten: Vielleicht können wir das Maul nicht voll genug bekommen?

Die Schamesgrenze und der Schritt zum Moralbruch sind greifbarer geworden

Während man früher an einem Strang gezogen und Kompromisse gemacht hat, selbst wenn es nicht 100 prozentig passte, ist man heute eher dazu geneigt, nach anderen Ausschau zu halten. Schließlich trägt auch die Enttabuisierung des Themas Sex und die Emanzipation der Frau dazu bei, an jeder Ecke Verführung zu finden, die Schamesgrenze und der Schritt zum Moralbruch sind wesentlich greifbarer geworden.

Was kann man dagegen tun? Ist das überhaupt abzuwenden? Bei vielen bestimmt nicht mehr, wo Egoismus die Nächstenliebe schon überholt hat. Hier hilft nur noch das Verständnis des anderen, die Nachvollziehbarkeit für selbst so niedere Argumentationen wie „Der Trieb ist Schuld“, um die Beziehung am Laufen zu halten. Wünschenswert dagegen ist aber das Mitgefühl, der stetige Gedanke daran, dass man weiß, der Profit, das kleine bisschen Spaß und die Befriedigung der eigenen Lust wiegen nicht im Geringsten gegen den Schmerz auf, den man der Person antut, die man am meisten lieben sollte. Denn ist das nicht wahre Liebe? Wenn das Wohl des anderen über den eigenen Bedürfnissen steht.



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